|
RICHARD CHAMBERLAIN
"ICH VERKAUFE ALLES, WAS ICH
HABE
- UND FANGE DAS LEBEN GANZ NEU
AN"
Er zählt noch immer zu den umschwärmtesten
Hollywood-Stars,
obwohl er sich auf der Leinwand rar gemacht
hat.
Aber Richard Chamberlain scheut den Rummel
in der
Filmmetropole, hat sich an ein einsames Fleckchen
auf Hawaii zurückgezogen.
Die Wellen spülen gegen den Privatstrand,
ein leichter Luftzug
weht durch die hellen Räume des Hauses.
Eines der vier Anwesen
Richard Chamberlains auf Hawaii, eine knappe
Autostunde von
Honolulu entfernt. Den Tag verbringt der 67-jährige
Schauspieler,
der es hasst, als Star bezeichnet zu werden,
meistens auf seiner Terrasse.
Was bedeutet Glück für Sie?
Früher verband ich damit Geld und Ruhm,
habe mich gefreut,
wenn ich hohe Gagen verlangen konnte. Aber
mit zunehmendem Alter sind es eher die einfachen Dinge, die mich glücklich
machen.
Sind Sie jetzt glücklich?
Ja, aber erst seit kurzem. Ich habe einen
Entschluss gefasst, der mich glücklich werden lässt. Denn ich
werde mich von allen Gegenständen der Vergangenheit trennen. Ich verkaufe
dieses Haus, die Möbel, mein Auto und werde mein Leben neu beginnen,
es komplett ändern.
Wie kam es zu diesem Entschluss?
Ich brauche diesen Kram nicht länger.
Was soll ich mit vier Häusern auf Hawaii? Ich lebe allein und es belastet
mich nur.
Jetzt habe ich gefunden, was ich suche. Es
ist die größte Herausforderung für mich, und ich fühle,
wie meine Seele wieder ihr Gleichgewicht findet.
Ich baue ein Haus auf einer kleinen Hawaii-Insel,
ein selbst entworfenes, in dem ich mich auf das Alter freuen kann.
Werden Sie weiterhin allein leben?
Ich habe viele Freunde: Ärzte, Künstler,
Schriftsteller, nur Menschen, die mir etwas geben können, darunter
sind keine Schauspieler. Wir werden eine kleine Kommune bilden, eine Art
Wohngemeinschaft, in der jeder seinen Freiraum hat. Das wird dann wie ein
Altenheim mit lauter älteren Existenzen, die über das Leben referieren.
Warum gingen Sie nie eine Partnerschaft ein?
Ich fühlte mich durch Beziehungen immer
eingeengt, wollte frei sein.
Natürlich gab es auch Momente, in denen
ich mich nach einer Partnerschaft gesehnt habe. Aber ich möchte nicht
kontrolliert werden, mich nicht bestimmen lassen. Vielleicht bin zu oft
enttäuscht worden.
Die Liebe hat sich zu oft als große
Luftblase entpuppt.
Was schätzen Sie an Frauen?
Ich finde sie sehr mysteriös. Sie können
liebevoll sein und wunderbar mit ihren Gefühlen spielen. Frauen sind
Geschöpfe, die wir nie durchschauen werden.
Wie viele Schönheitsoperationen haben
Sie schon hinter sich?
Ich schwöre: keine einzige!
Ich bin stolz auf mein Aussehen, treibe viel
Sport, lebe gesund und liebe das Leben. Nie würde ich mich unter's
Messer legen. Ich empfinde es als Charakterschwäche, wenn Männer
nicht zu ihrem Alter stehen.
Wie sehen Sie sich in zehn Jahren?
Hoffentlich in meinem neuen Haus, im Kreise
guter Freunde.
Zum Glück muß ich nicht mehr arbeiten,
ich werde nicht mehr monatelang durch Städte tingeln. Vielleicht spiele
ich Ende des Jahres in Deutschland noch einmal Theater. Ich liebe dieses
Land, habe viele Freunde dort. Im Moment schreibe ich an einem Buch, in
dem ich mich auch mit meiner Kindheit auseinander setze.
Hatten Sie eine schöne Kindheit und Jugend?
Nein, eine schwere, bedingt durch die Konflikte
mit meinem Vater.
Er war Alkoholiker und hatte sich nicht unter
Kontrolle, ein furchtbarer Mensch. Meine Mutter war eine sehr gute Sängerin.
Wir lebten in einem kleinen dreckigen Haus in Beverly Hills. Ich bin von
zu Hause geflohen, fühlte mich nur in der Ferne frei, verbrachte meinen
Militärdienst in Korea.
Machen Sie sich Gedanken über den Tod?
Damit möchte ich mich nicht belasten.
Indem ich ein neues Leben plane, halte ich mich fit. Natürlich wird
der Tod eines Tages kommen. Dann soll meine Asche im Meer verstreut werden.
Vor Maili, dem Punkt auf Hawaii, den ich am meisten liebe.
Wer wird Ihr Vermögen erben?
Das geht an Menschen, die mir besonders nahe
standen, und an den Tierschutz, da Tiere mir stets treue Wegbegleiter waren.
Wird man Sie nochmals auf der Leinwand erleben?
Die Qualität muss stimmen, sonst setze
ich meinen Namen unter keinen Vertrag.
Wie ist der Kontakt zu ihren Fans?
Es ist erstaunlich, dass sie mich noch nicht
vergessen haben. Es sind meistens Frauen. Manche sitzen sechs Wochen vor
meiner Haustür und jubeln mir zu, wenn ich den Wagen aus der Einfahrt
fahre. Unglaublich!
Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer "Dornenvögel"-Partnerin
Rachel Ward?
Leider nicht. Rachel lebt in Australien und
wir haben uns aus den Augen verloren. Sie war eine attraktive Frau und
außerdem unglaublich humorvoll. Ich habe sie geschätzt und bewundert.
Dennoch habe ich früher keinen weiteren Kontakt gewollt, ihn überhaupt
zu allen Schauspielern abgelehnt. Aber vielleicht werde ich es jetzt versuchen.
Ich würde schon gern wissen, ob es Rachel gut geht. Ja, ich würde
mir wünschen, sie wiederzusehen. |